Dokumentation der Tagung

„Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

– frischer Wind für ländliche Räume“

Tagung vom 6. - 7.7.2017 im ebz Bad Alexandersbad

In der Umsetzung der Agenda 2030 und der Vereinbarungen zum Pariser Klimaschutzabkommen ruhen die Erwartungen auf einen Umbau der Gesellschaft, eine große Transformation, zuallererst auf Veränderungsprozessen in 
den Metropolen. Periphere ländliche Räume in einem führenden Industrieland wie Deutschland kommen im Nachhaltigkeitsdiskurs, in erster Linie als geeignete Standorte für Bürger‐Energiegenossenschaften und Rückzugsräume erholungssuchender Großstädter ins Gespräch.
Chancen und Möglichkeiten mit lokalen Aktivitäten die 2015 in New York vereinbarten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen, den Temperaturanstieg auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und zugleich Entwicklungsperspektiven für den eigenen Raum zu gewinnen, standen im Mittelpunkt der Tagung „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ‐ frischer Wind für ländliche Räume“ am 6./7. Juli in Bad Alexandersbad. Veranstalter der vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Tagung waren die Ökologische Akademie e.V., RENN.süd (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeit) und das Evangelische Bildungs‐ und Tagungszentrum Bad Alexandersbad.

Silja‐Kristin Vogt von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global mit Sitz in Bonn bot Kommunen und Landkreisen fachliche und finanzielle Unterstützung an: in der Beratung, bei Bestandsaufnahmen und im Erarbeiten lokaler Nachhaltigkeitsstrategien und –berichte. Obwohl Deutsche mit ihrem Umweltbewusstsein Spitze in der Welt sind, ist ihr Konsumverhalten nur punktuell umweltfreundlich. Statt weiter erfolglos auf moralische Appelle zu setzen, forderte Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal‐Institut Änderungen umweltschädlicher Produktionsstandards und gesetzlicher Rahmenbedingungen. Wie wirksam das sein kann, zeigte Kopatz am Beispiel des Gesetzes für Erneuerbare Energien. Diese neuen Rahmenbedingungen veränderten in kurzer Zeit Strukturen und Alltagsroutinen zugunsten der Energiewende.
Für Prof. Dr. Rainer Danielzyk (Universität Hannover) liegen die Chancen nachhaltiger Entwicklung peripherer ländlicher Räume in erster Linie im Engagement der Menschen in den zahlreichen Vereinen und den Vorhaben von Raumpionieren.
Mit Blick auf die Praxis nachhaltiger Entwicklung konstatierte Prof. Dr. Manfred Miosga (Universität Bayreuth), dass diese weder weltweit, national, noch regional und lokal zu einer Trendumkehr im Ausstoß schädlicher Klimagase führte. Notwendig ist für ihn eine Fokussierung auf transformative Projekte und Pioniere des Wandels, die ihrerseits in verbindliche kommunale Transformationsprogramme eingebettet werden müssen.
Den Kreistag des Landkreises Amberg‐Sulzbach leiten bei seiner Fortschreibung des Nachhaltigkeitsprozesses die von Miosga ins Feld geführten gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels und die Übernahme  ommunalpolitischer Verantwortung. Manfred Lehner, Leiter der VHS im Landkreis, unterstützte den Landrat und Kreistag in der Weiterentwicklung. Schwerpunkte sind die Einrichtung eines Nachhaltigkeitsrats und die Konzentration auf fünf Handlungsfelder: Klimawandel und zukunftsfähigen Energien; Bildung und Wissenschaft; Sozialer Zusammenhalt (Demografie, Inklusion, Integration, Bürgerkommune); Natur, Umwelt, Ernährung und Konsum; Wirtschaft, Finanzen und Kultur.
In der kleine thüringischen Gemeinde Schlöben fanden sich, so Bürgermeister Hans‐Peter Perschke, Akteure aus Wirtschaft, Bildung, Technologie und Kommune, um nach der Einrichtung einer bürgergenossenschaftlich betriebenen Biogasanlage weitere Vorhaben zu initiieren. Jüngste Vorhaben: ein gemeinsamer Bürgerbus mit Stadtroda, ihrer Nachbargemeinde. Aktuell beteiligt sich Schlöben am landesweiten Modellprojekt „Global nachhaltige Kommune“ von Engagement Global.

Im abschließenden World‐Café ging es um die Fragen, was uns hemmt eine lokale und regionale nachhaltige Entwicklung zu beschleunigen und mit welchen Schritten wir die nachhaltige Entwicklung vor Ort voranbringen können. Schwierigkeiten rühren aus der thematischen Komplexität dessen, was unter globaler und lokaler nachhaltiger Entwicklung verstanden wird und gründen in kleinen Orten in einer zeitlichen Überforderung der zumeist mehrfach aktiven Bürger_innen. Engagement entsteht eher, so ein Teilnehmer, wenn etwas verhindert als wenn etwas neu gestaltet werden soll. Defizite erkannte man im Fehlen fokussierter gemeinsamer Aktivitäten und im Mangel parteiunabhängiger Veranstaltungsangebote.
Das Plazet gewählter politischer Vertreter_innen und die Kooperation mit der Kreisverwaltung unter Einbezug der Bevölkerung wurden als erfolgversprechende Rahmenbedingung nachhaltiger Entwicklung betrachtet. Vorschläge zur Beschleunigung des Wandels gab es viele, wie: Foren und Begegnungsräume für interessierte und aktive Menschen schaffen; gängige Beteiligungsformen, wie Bürgerversammlungen, nutzen, um über Erfolge nachhaltigen Handels zu berichten oder Anlässe bieten, auf denen sich verschiedene Akteure zusammentun können.

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